Quedlinburg!
- vitet62889
- Feb 4
- 3 min read
Quedlinburg – eine kleine, märchenhafte Stadt im Harz, die durch ihre Fachwerkromantik auffällt und an manchen Stellen den Eindruck erweckt, als wäre sie einem mittelalterlichen Bilderbuch entsprungen. Das ist zumindest das, was ich gehört habe, und das mich dazu bewogen hat, mir dieses von Fachwerkhäusern geprägte Stadtbild einmal genauer anzuschauen. Gesagt, getan – Rucksack gepackt und los ging’s an einem sonnigen Herbstmorgen.

Gegen 10 Uhr betrat ich die Stadt, und das Wetter hätte nicht besser sein können für einen kleinen Spaziergang durch diese Altstadt – etwa 18 Grad, ein leichter Wind und strahlend blauer Himmel. Die ersten Eindrücke gönnte ich mir auf dem Marktplatz. Das Rathaus, das das Herz der Stadt bildet, wartete mit einer von Efeu überzogenen roten Fassade auf, die durch die tiefstehende Sonne des Herbstes wunderbar in Szene gesetzt wurde. Später werdet Ihr erfahren, warum ich gerade diesen Platz als ersten aufsuchte. In den Häusern, die ihn einfassen, sind nun ein paar Gaststätten eingerichtet, und ich konnte nicht anders, als mir erst einmal einen Kaffee und ein Stück Apfelkuchen zu gönnen.
So gestärkt ging es weiter zur Stiftskirche St. Servatius, die erhöht über der Stadt thront. Der erste Anblick täuscht – der Weg zur Kirche führt leicht und mäßig ansteigend über teils von Efeu überwucherte Kopfsteinpflaster und aufwendig gerichtete Stufen, vorbei am Rathaus und von den Resten der Stadtmauer bis hin zum durch breite Stufen abgetrennten Vorplatz. Die Kirche ist nicht nur architektonisch beeindruckend, sondern auch historisch bedeutsam, denn hier liegen die Gebeine von Heinrich I., dem ersten deutschen König. Die Krypta, in der sie ruhen, hat eine mythische Ausstrahlung, und es ist geradezu eine Herausforderung, sich vorzustellen, was die spärlichen Mauern dieser unterirdischen Grabkapelle schon alles an Geheimnissen in sich aufgenommen haben.
Danach schaute ich mir ein bisschen die Kopfsteinpflastergassen der Altstadt an. Besonders hat mir die Hölle gut gefallen – keine Sorge, der Name ist harmlos! Es handelt sich hierbei um eines der ältesten und schönsten Gässchen Quedlinburgs. Die Fachwerkhäuser sind teilweise über 600 Jahre alt, und man hat tatsächlich das Gefühl, durch ein Freilichtmuseum zu laufen.

Mittags überkam mich der Hunger, und so landete ich im „Brauhaus Lüdde“, einer kleinen Brauerei, die bereits in der vierten Generation familiengeführt wird. Ich bestellte die Harz-Spezialität „Harzer Bachforelle“, die durch ihre Frische bestach, kombiniert mit Bratkartoffeln und Salat. Ein Glas Hausbier, dessen Geschmack perfekt mit dem deftigen Essen harmonierte, begleitete mich – genau das Richtige nach dem langen Marsch.
Am Nachmittag wollte ich ein wenig Natur erleben und nahm den Bus nach Weddersleben, um von dort aus einen kurzen Spaziergang zur Teufelsmauer zu unternehmen. Diese besteht aus gewaltigen Sandsteinfelsen, die die Landschaft durch ihre malerische Stellung wie versteinerte Riesen zieren. Die Sage besagt, dass der Teufel selbst sie errichtet haben soll – und ich konnte es fast nachempfinden. Die Felsen wirken mystisch, und als ich auf einen der Steine stieg, genoss ich den wundervollen Blick auf die Wälder und Felder des Harzes.
Zurück in Quedlinburg entschloss ich mich, den Tag mit einer gemütlichen Tasse Kaffee ausklingen zu lassen. Ich suchte das „Café Vincent“ auf, dessen hausgemachte Torten ich unbedingt probieren wollte. Ich wählte ein Stück Quedlinburger Baumkuchen und dazu einen heißen Kakao – die perfekte Kombination für einen frühherbstlichen Tagesausklang. Die Atmosphäre war entspannt, und ich ließ einfach all die Eindrücke des Tages auf mich einwirken.
Als es langsam zu dunkeln begann, bummelte ich noch einmal durch die Gassen der Stadt, die nun im warmen Licht der Laternen erstrahlten. Die alten Fachwerkhäuser wirkten fast magisch, und es war ein besonderes Erlebnis, durch die menschenleeren Straßen zu spazieren.
Am Marktplatz angekommen, beschloss ich schließlich, mich wieder zum Bahnhof aufzumachen. Schon damals war mir klar, dass ich wiederkommen würde. Quedlinburg gehört zu den Städten, denen man unweigerlich erliegt – ein Ort voller Geschichte, Romantik und unvergleichlicher Atmosphäre.
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